So baue ich ein Insektenhotel


In der Schweiz übernehmen Wildbienen und Schwebefliegen 2/3 der Bestäubungsleistung und 75% unserer Nutzpflanzen sind von der Bestäubung abhängig. Umso beunruhigender ist die Tatsache, dass der Bestand der Wildbienen in den letzten 30 Jahren um 52% zurückgegangen ist. Der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden, eine immer intensiver werdende Landwirtschaft, aber auch die zunehmende Zersiedelung, tragen ihren Teil dazu bei.

An der Nachhaltigkeitswoche der Uni Bern haben wir in einem Insektenhotel-Workshop erfahren, wie man im eigenen Garten oder auf dem Balkon ein kleines Stück Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten schaffen kann.

Schritt 1: Gerüstbau

Zuerst braucht man für das Innere des Hotels vier quadratische Kammern – diese hier sind 90x90x90mm. Diese können entweder selber aus naturbelassenem Holz zugeschnitten werden, oder als Bausatz gekauft werden. Die Kanten und Seitenlängen mit Schleifpapier abrunden, sodass sich die Tiere nicht an Holzfasern verletzen können.

Schritt 2: Erste Kammer füllen

Dicke Äste mit Bohrlöchern bieten einen Nistplatz für Bienen. Häufig sieht man, dass in Insektenhotels Äste stirnseitig angebohrt sind – wir lernen, dass dies nicht sinnvoll ist, da solche Löcher in der Natur nicht vorkommen. Besser ist es, Äste seitwärts einzubohren. Als Holz eignet sich jedes naturbelassene Frucht-oder Laubholz. Nadelholz ist ungeeignet, da die Bienen das Harz nicht mögen. Die seitwärts eingebohrten Äste werden mit feinen Nägeln in der Kammer befestigt. Holzfasern an den Bohrlöchern abschleifen.

Schritt 3: Kammern zusammenfügen

Falls noch eine zweite Kammer mit einem Ast besetzt werden soll, diesen ebenfalls mit Nägeln befestigen. Dann alle Kammern mit feinen Nägeln zusammenfügen. Auch wenn das etwas mühsam ist, sollte den Tieren zu liebe auf Leim verzichtet werden.

Schritt 4: Rückwand

Eine dünne Holzplatte – in diesem Fall 190mmx190mm – wird als Rückwand an das Insektenhotel befestigt. Wichtig dabei ist, dass eine Ecke ein Loch für die spätere Befestigung hat. Es muss also auch schon im Voraus klar sein, welches die oberste Kammer sein soll.  Diese kann zudem nicht voll gefüllt werden, da man sonst das Haus nicht an einem Nagel o.ä. befestigen kann. Die unterste Kammer wird später mit Lehm gefüllt, die Kammer mit den Ästen ist also auf der Seite.

Schritt 5: Das Dach

Um die Bewohner des Insektenhauses vor Witterung zu schützen, bekommt der bis jetzt quadratische Kasten ein Dach. Hier ist wichtig, dass die Bretter nur vorne überstehen und hinten mit der Rückwand bündig sind, sonst kann das Haus später nicht an einer flachen Hauswand befestigt werden. Die Masse der Bretter, die hier verwendet wurden sind 230mmx140mm und 240mmx140mm. Das kürzere Brett wird zuerst befestigt, sodass es stirnseitig mit der oberen Kante des Kastens bündig ist, das längere Brett wird danach so montiert, dass es oben einen Spitz gibt.

Schritt 6: Einrichten

Zuerst füllen wir die unterste Kammer mit Lehm. Diesen bekommt man im Baumarkt. Einfach drauf achten, dass er naturbelassen ist. Der Lehm sollte zudem nicht betonhart sein, sondern etwas bröckelig, damit die Tiere ihn verwenden können. Weiters füllen wir eine Kammer mit Bambusröhrchen – hier darauf achten, dass der Durchmesser der Hohlräume nur etwa 2 -10 mm beträgt, oder dass die Röhrchen zumindest verschieden gross sind. Zu grosse Löcher werden nicht besiedelt. Zudem schauen, dass die Knoten in den Röhrchen hinten sind. Wildbienen legen Eier von Hinten nach vorne. Die spröden, spitzigen Fasern an den Schnittstellen der Bambusröhrchen abschneiden und wegschleifen, damit sich die Tiere nicht verletzen. In die dritte Kammer Äste, Schneckenhäuser, Stroh, Rinde andere Röhrenartige Stängel etc. einsetzen. Hier daran denken, dass das Loch zum aufhängen frei bleiben muss. Zum Schluss in den angetrockneten Lehm mit einer Aale zwei, drei Löcher machen.

Hinweis: In vielen Anleitungen, die man online findet, wird als Füllmaterial auch Holzwolle angegeben. Diese zieht aber Ohrwürmer an, welche mit Vorliebe den Bienen den Nektar wegfressen. Holzwolle darum lieber weglassen.

Für den Workshop und das Bereitstellen von Informationen hier ein besonderer Dank an Yasemin Kurtogullari, Biologin und Co-Präsidentin BENE – Verein für nachhaltige Entwicklung an der Universität Bern.


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