Was ist der Unterschied zwischen Bio und Demeter?


Schon oft wurden wir nach dem Unterschied zwischen Bio und Demeter gefragt. Es gibt einige. Der Grundsatz der biologischen Landwirtschaft, unabhängig der Label, ist das Arbeiten in Einklang mit der Natur. Auf Biobetrieben wird so gearbeitet, dass natürliche Lebensräume von Pflanzen und Tieren geschützt und gefördert werden. Zudem sind soziale Aspekte, also das menschliche Zusammenleben und –arbeiten, ein wichtiger Bestandteil biologischer Landwirtschaft. Flaora bietet Fleisch von Bio- und Demeterhöfen an. Beide Zertifizierungen bauen auf gemeinsamen Grundsätzen auf, unterscheiden sich aber deutlich in der praktischen Umsetzung. 

  1. Bio Suisse - Das Label Bio Suisse (Knospe) verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Biobetriebe arbeiten nach dem Grundprinzip einer Kreislaufwirtschaft, welche selbstregulierend wirkt: angebaute Futtermittel für Tiere werden in Form von Mist dem Boden zurückgeführt, was die Bodenfruchtbarkeit verbessert und somit den Einsatz von chemisch-synthetischen Düngemittel überflüssig macht. Der Verzicht auf chemische Mittel wirkt sich abermals positiv auf die Biodiversität von Pflanzen und Tieren aus, was wiederum ein selbstregulierendes Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen begünstigt. 
    1. Tierhaltung nach Bio Richtlinien - Die Viehwirtschaft muss auf Biobetrieben besonders Artgerecht erfolgen. Tiere verbringen die meiste Zeit, unabhängig der Jahreszeit draussen, sie haben mehr Platz als auf konventionellen Höfen und Vollspaltenböden in Stallungen sind verboten. Wiederkäuer fressen nur Biofutter, das mehrheitlich vom eigenen Betrieb stammt und ihrer natürlichen Ernährung entspricht. Masttieren wird zum Wachsen deutlich mehr Zeit gelassen. Das Enthornen von Tieren ist erlaubt.
    2. Verarbeitung - Lizenznehmer von Bio Suisse verarbeiten ihre Lebensmittel schonend und verzichten auf unnötige Zusatzstoffe wie Aromen und Farbstoffe. Künstliche Zusätze und der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen sind verboten. Bei der Weiterverarbeitung von Lebensmittel werden Bioprodukte verwendet. So wird zum Beispiel dem Rindfleisch für die Happywurst von Flaora nur Bio-Gewürze und Bio-Speck hinzugefügt.
  2. Demeter - Demeter orientiert sich grundsätzlich an den Bio Suisse Richtlinien, übertrifft diese aber noch mit eigenen Standards. Die biodynamische Landwirtschaft orientiert sich an anthroposophischen Grundsätzen aus Rudolf Steiners „Landwirtschaftlichen Kurs“, den er 1924 vorgetragen hat. Auch Demeterbetriebe haben das Ziel, einen Organismus zu schaffen, indem die Tierhaltung und der Ackerbau in ein Kreislaufverhältnis gesetzt werden. Die Bodenfruchtbarkeit ist ein zentrales Anliegen der biodynamischen Landwirtschaft und diese wird durch den natürlichen Austausch von Futter und Mist gefördert. Im Unterschied zu Knospe schreibt Demeter den Einsatz bodenverbessernder biodynamischer Präparate vor, die aus tierischen, pflanzlichen und mineralischen Stoffen hergestellt werden. Die Präparate dienen dabei nicht als ertragsmaximierende Mittel, sondern als Balancemittel – dem Boden wird zurückgegeben, was ihm entzogen wird.
    1. Tierhaltung nach Demeter Richtlinien - Im Unterschied zu Biobetrieben ist die Tierhaltung, insbesondere die Haltung von Wiederkäuern, auf Demeterbetrieben zwingend. Nur so kann im Sinne eines Kreislaufes gewirtschaftet werden. Die Anzahl Tiere wird der grösse des Betriebs und somit der individuellen Möglichkeit der Futterproduktion angepasst. Der Zukauf von Futtermitteln sowie die Verwendung von Futterzusatzstoffen sind stark reguliert. Demeter-Richtlinien schreiben eine wesensgemässe Tierhaltung vor – Kühe behalten ihre Hörner, ihren natürlichen Verhaltensgewohnheiten und Bewegungsabläufen wird in Stall und Auslauf zu jeder Jahreszeit gerecht, bei Kälbern ist die Gruppenhaltung vorgeschrieben. Die Züchtung natürlich hornloser Rassen, wie beispielsweise Angus, ist erlaubt.
    2.  Verarbeitung Bei der Verarbeitung landwirtschaftlicher Demeterprodukte gelten strengere Richtlinien als bei Bio Suisse: Milch darf beispielsweise nicht homogenisiert werden und bei der Fleischverarbeitung ist das Zufügen von Nitrit nicht gestattet.

Text und Bilder: Anna Witschi, Alexander Blaser

• Finden Sie mehr Informationen sowie die genauen Richtlinien auf den Webseiten von Bio Suisse und Demeter.
• Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) führt seit 1978 einen Langzeit-Feldversuch zu biologischen und konventionellen Anbausystemen durch (DOK-Versuch). Eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse finden Sie hier. Die Ergebnisse zur Bodenfruchtbarkeit sind dabei besonders interessant.

Dok zum Thema: Kathrin Winzenried bei den Öko-Pionieren

 


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